Postekarte Nierstein ca 1912. Die Zeichnung enthält einige Fehler. (Postkarte von Hans Peter Hexemer)Zu dem ursprünglich außerhalb des Niersteiner Ortskerns liegenden Hof wird schon immer ein Garten gehört haben. Für die Zeit von Sophie von Harstall in der Mitte des 18. Jahrhunderts ist ein Zier-, Nutz- und Weingarten sowie ein „Sommer-Haus“ im Garten nachweisbar.
Der Garten des Weinguts wird nach dem Erweiterungsbau des Hauses (1862) im Auftrag der Familie Lauteren von der Firma Gebrüder Siesmayer neu angelegt.

 

Siesmayers Veranda Konstruktion an der  Gartenfassade. Unten stehend Cornelius und Ludwig Freiherren von Heyl zu Herrnsheim.

Der Garten wird dreiteilig konzipiert. Er besteht aus einem Ziergarten an dem Haus, einem anschließenden kleinen Obstpark mit Formobst und einem großen, repräsentativen Weingarten, durch den die herrschaftliche Zufahrt zum Haus führt. Verschiedene aufwändige Pavillons werden aus Siesmayer-typischem Gitterwerk gebaut. Auch die Kegelbahn und die Veranden des Hauses werden mit solchem Holzwerk gestaltet und verbinden so Haus und Garten.

 

 

Nach der Übernahme durch die Familie der Freiherrn von Heyl zu Herrnsheim 1909 wird das Gesamtbild der Anlage durch den Anbau von Schuppen und einer Halle beeinträchtigt. Der Charakter des Gutes wandelt sich von einem repräsentativen Landsitz zu einem Wirtschaftsbetrieb. Nach 1945 wird die Toreinfahrt am Ende des Weingartens abgerissen, Teile der Anlage jenseits des Flügelsbaches und am Weingarten werden verkauft und bebaut. Nur ein Pavillon an der Kegelbahn bleibt erhalten.

 

Das Tor zum Weingarten auf einer Postkarte von 1907. (Ausschnitt einer Postkarte von Hans-Peter Hexemer)

Noch steht das Tor zum Weingarten. (Foto Waltenberg)Mit einer Walze soll das Tor niedergerissen werden. (Foto: Waltenberg)Das Tor fällt in sich zusammen. (Foto: Waltenberg)

 

 

Der Weingarten wird zunächst als Rebschule und "Gästegarten" genutzt. Hier werden von Peter von Weymarn in den 60er Jahren erste Versuche mit biologischem Weinanbau durchgeführt und die Reben für den "Mathildenhöfer Sekt" angebaut. Der Garten des Mathildenhofs kann als die Pionierfläche des biologischen Weinbaus in Deutschland bezeichnet werden.

In den 80er Jahren wird dieser Teil des Gartens an die Gemeinde verkauft, man entfernt die Rebstöcke und legt eine Rasenfläche an. Der wertvolle Pavillon wird mangelns Kenntniss über die Bedeutung eines solchen Denkmals abgerissen. Somit sind die Kegelbahn mit  Pavillon und die Verandakonstruktion des Mathildenhofs die wohl Deutschlandweit einzig erhaltenen Siesmayer Holzbauten. 

2002 soll das Gelände Wohn- und Gewerbefläche werden. Dies kann durch die Gründung der Stiftung verhindert werden, die das Grundstück von der Gemeinde erwirbt und nun an der Wiedererstellung der historischen Gartenanlage der Gebrüder Siesmayer arbeitet. Hierzu werden ein Gutachten von Stella Junker-Mielke (2004), ein Vorentwurf von Martin Hauck (2005), eine gartendenkmalpflegerische Vertiefungsstudie sowie ein Entwurf inkl. Pflanzplan von Dr. habil. Clemens Alexander Wimmer unter Mitwirkung von Ragnhild Kober-Carrière und Barbara Vogt (2007) erarbeitet.

2007 wurden die im 20. Jahrhundert angebauten Hallen und Schuppen abgerissen und die alten Blickachsen auf Haupthaus, Nebengebäude und den verbliebenen Pavillon wieder erlebbbar. Die Neuanpflanzung des Rebgartens (Frühjahr 2008) und die Nachpflanzung historisch passender Bäume und Sträucher ist in Arbeit (siehe Pflanzlisten).

 

Weitere Informationen

Dr. habil. C. A. Wimmer (Wikipedia)

Gartendenkmalpflegerische Vertiefungsstudie zur Gartengeschichte von  Dr. habil. C. A. Wimmer (PDF)